Pyro, Feuerwerk, leere Blöcke: Rückfall in alte Zeiten

Pyro, Feuerwerk, leere Blöcke: Rückfall in alte Zeiten

5. Oktober 2023 24 Von Carsten Schulte

Eigentlich hatten wohl alle gedacht, dass diese Zeiten vorbei sind. Die Zeiten, in denen es zwischen Klub und (aktiver) Fanszene knirscht, in denen es Verbote gibt und in der Folge leere Blöcke. Oder einfach nur keinen Support. Pustekuchen. Am Mittwochabend gegen Aue fühlte es sich wieder so an wie zuletzt 2016.

Flatterband in der Ostkurve, auch als Fiffi-Gerritzen-Kurve bekannt, deutete schon vor dem Heimspiel gegen Aue an, dass da etwas im Argen liegt. Und so war es auch: Das gesamte Spiel über blieb der Block, in dem sonst die aktive Fanszene steht, leer. Auch für alle anderen Zuschauer, die sonst dort im Randbereich stehen. Keine Fahnen, keine Banner, nur leere Stufen.

Darüber, was da los war, gab es schnell Gerüchte. Als dann (bereits mitten im Spiel) das Banner „Gegen Materialverbote“ aufgehängt wurde, offenbar schnell hergestellt, da war dann auch offiziell klar, wo der Hase im Pfeffer lag.

SCP gegen Aue im Oktober 2023: Banner vor der leeren Heimkurve.

Soweit sich das am Mittwochabend rekonstruieren ließ, hatte es im Eingangsbereich einige spontane (?) Verbote für bestimmte Materialien gegeben. Pressesprecher Marcel Weskamp formulierte nach dem Spiel, es habe sich um Material gehandelt, das „möglicherweise geeignet wäre“, um damit (Block-)Fahnen hochzuziehen, unter deren Schutz dann Pyrotechnik o.ä. hätte gezündet werden können. Alles sehr im Konjunktiv, wie er selbst betonte. Aber: Genau das war ja im Heimspiel gegen Bayern München passiert.

Minutenlang wurde aus der Kurve ein Silvesterfeuerwerk abgebrannt – was für viele verzückte Kommentare und noch mehr bunte Bilder aus dem Stadion sorgte. Auch das ZDF zeigte das Feuerwerk aus Drohnen-Perspektive.

Natürlich war das in der Menge übertrieben und das dicke Ende kommt für den SCP noch, denn die Strafe wird, auch mit Blick auf das Auswärtsspiel in Essen, sicher heftig und für den Klub schmerzhaft sein.

Nach dem Feuerwerk hatte der Klub schon angekündigt, das Gespräch mit den Fans suchen zu wollen. Der Termin allerdings findet erst jetzt statt und damit auch nach dem Spiel gegen Aue. Und hier wird es wohl etwas unklar. Denn die vorherige Abstimmung für das Aue-Spiel zwischen Klub, Sicherheitspersonal und Fans lief offenbar gar nicht rund. Die einen wussten nicht, was die anderen taten. Am Eingang fielen dann Entscheidungen, die wiederum die Fans zur „Nichtteilnahme“ brachten. So gehörte das Stadion akustisch Aue (auch wenn sich das mit dem Spielverlauf dann auf natürliche Weise änderte …). Schlimmer noch war aber das Zeichen, das diese Kommunikations-Panne setzte.

Der SCP ist zurück in 2016.

Seit dem Aufstieg in die 3. Liga 2011 war eigentlich ständig – pardon – Feuer in de Kurve. Stress zwischen den damaligen Ultra-Gruppierungen, Stress mit dem Verein, immer war irgendwas. Und Pyro, nicht zu knapp, immer wieder. Die neue 3. Liga bot natürlich auch das passende Umfeld mitsamt großer Aufmerksamkeit und Auswärtsfans, die das jeweilige Spektakel auch zu würdigen wussten.

In den unseligen ersten Jahren in der 3. Liga ging es um Verbote von Gästefans, Preußen durften nicht zu Derbys reisen, der üble Böller-Anschlag in Osnabrück. 2011 blieb der Heimblock gegen Aalen zu, 2015 sperrte der SCP die Heimkurve im Spiel gegen Kiel, zum Derby nach Osnabrück durften keine Fans anreisen.

2015: Im Heimspiel gegen Kiel bleibt die gesamte Heimkurve gesperrt.

Im Frühjahr 2016 wurde es dann noch einmal richtig wild. Im Heimspiel gegen Cottbus wurden Rauchtöpfe angezündet und nebelten das halbe Stadion ein, leider auch zahlreiche Kinder im direkt benachbarten Block, die zum „Kids Day“ ins Stadion gekommen waren. Eine richtig dumme Aktion, die dann in erwartungsgemäß Folgen hatte.

In den beiden verbleibenden Heimspielen gegen Magdeburg und Dresden blieb im Saisonfinale der Heimbereich gesperrt.

Frühjahr 2016: Im Heimspiel gegen Magdeburg bleibt die Heimkurve gesperrt.
Frühjahr 2016: Im Heimspiel gegen Magdeburg bleibt die Heimkurve gesperrt.
Frühjahr 2016: Im Heimspiel gegen Dresden bleibt die Heimkurve gesperrt.

Und jetzt? Eigentlich hatte der Klub nach dem Bayern-Spiel einiges richtig gemacht. Intern Gespräche ankündigen, nach außen erst einmal die Füße still halten. Gegen Aue gab es ein paar Ansagen – und das durfte man ja wohl auch erwarten.

Der Protest der Fanszene richtete sich dabei wohl nicht gegen Strafen als solche – denn irgendeine Konsequenz wird das Bayern-Feuerwerk ja mit sich bringen. Der Protest galt nun dem Umfang. Und den hätte der SC Preußen bzw. sein Veranstaltungsteam offenbar besser und klarer kommunizieren müssen.

Jetzt ist erst einmal wieder dicke Luft. Und ärgerlich daran ist: Ausgetragen wird es wie immer auf dem Rücken der Mannschaft, die nun wirklich nichts damit zu tun hat und vor allem am Mittwochabend einen besseren Abschied verdient hätte als vor einer halb leeren Kurve etwas verwirrt stehen zu bleiben und dann „Alle zusammen für Preußen Münster“ anzustimmen, was zumindest am Mittwochabend nicht die beste Idee war. Aber so etwas kommt eben von so etwas.

Fans und Klub tun gut daran, das Thema schnell zu adressieren und einen Weg zu finden, ohne dass diese wichtige Saison jetzt schon früh durch „fußballferne“ Themen belastet wird.

„Wir dürfen den Gesprächsfaden jetzt nicht abreißen lassen“, betonte auch Weskamp nach dem Spiel gegen Aue. Dabei muss auch dem Verein klar sein, dass die neue große Bühne 3. Liga nun wieder verstärkt Potenzial für Pyro bietet. Das wird nicht zu verhindern sein, aber vielleicht gelingt es beiden Parteien, wenigstens ein paar Eckpfeiler einzuschlagen, ein paar Grenzen zu setzen, damit nicht jeder weitere Vorfall ein eigenes Ereignis wird.

Zuletzt…
… gab es Anfang 2020 Ärger. Damals kam der SCP mitten im Abstiegskampf in der 3. Liga auf die wenig sinnvolle Idee, den Block O von der Fiffi-Gerritzen-Kurve abzutrennen und mit einem eigenen Eingang zu versehen. Der Plan war schlecht kommuniziert, sorgte sofort für gewaltigen Stress und wurde vom SC Preußen nach wenigen Tagen kleinlaut wieder einkassiert.