Preußen-Torwart Schulze Niehues: „Bin schon enttäuscht vom DFB“

Preußen-Torwart Schulze Niehues: „Bin schon enttäuscht vom DFB“

27. Mai 2020 0 Von Carsten Schulte

Der Preußen-Torwart Maximilian „Max“ Schulze Niehues ist derzeit von der Welt durch ein großes Fenster getrennt. Aus seinem Hotelzimmer schaut er hinunter auf den Stubengassen-Platz, mitten in Münster. Raus darf er nicht ins bunte Treiben. Nur zweimal am Tag zum Training und dann wieder zurück. Der DFB will es so.

Wie die gesamte Mannschaft steckt Schulze Niehues derzeit im Quarantäne-Hotel. Mit mehreren Kleinbussen düst der Kader des SC Preußen täglich zwischen Hotel und Preußenstadion hin und her. Zwei Einheiten stehen jeweils an. Da bleibt neben den Mahlzeiten nicht wahnsinnig viel Zeit, um sich im Hotelzimmer allzuviel Gedanken um die Welt zu machen. „Frühstück, Mittagessen, Abendessen, dazwischen Training: Da ist der Tag schnell vorbei“, so Schulze Niehues im Gespräch mit 100ProzentMeinSCP.

Am Dienstagabend schaute er in seinem Hotelzimmer das Spiel des BVB gegen die Bayern. „Früher als Kind war ich eher Bayern-Fan, heute freue ich mich über guten Fußball“, so der Torwart diplomatisch. Die Bayern gewannen 1:0. Die 2. Bundesliga habe er sich später dann als Zusammenfassung angeschaut, so Schulze Niehues grinsend.

Viel zu tun, wenig Zeit um einfach abzuhängen: „Es fühlt sich schon ein bisschen wie ein Trainingslager an. Wie vor dem ersten Spiel der Saison.“ Kein Wunder, denn eine so lange Pause gibt es sonst nicht einmal im Sommer. Und die fünf Wochen im Sommer sind ja anders als diese Corona-Pause.

„Als Spieler fühlt man da Machtlosigkeit.“

Max Schulze Niehues

Natürlich macht sich der 31-Jährige Gedanken über den Sport und über die Situation. Die Debatten um die 3. Liga hat er ebenso aufmerksam verfolgt wie viele Fans. Dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen, daraus macht er auch kein Geheimnis. „Für mich ist Fußball ja nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Es macht Bock, Fußball zu spielen“, gibt der gebürtige Warendorfer zu.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite hat der DFB gestaltet. „Ich bin schon enttäuscht vom DFB. Der Verband wird nicht müde zu betonen, dass die Gesundheit an erster Stelle steht – aber bei jeder Maßnahme wird deutlich, dass eigentlich wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen“, so Schulze Niehues kritisch. „Als Spieler fühlt man da Machtlosigkeit.“

Diese „Zerrissenheit“ ist wohl typisch für viele, die derzeit über Fußball sprechen oder ihn ausüben. Natürlich tut es gut, wieder am Ball zu sein. Das ist ein Stück Normalität in ungewöhnlichen Zeiten. „Und es kribbelt schon vor dem ersten Spiel“, gibt Schulze Niehues zu. „Vorfreude.“ Auch ohne Zuschauer.

Dass die Umstände ungewöhnlich sind, wissen alle. „So etwas hat noch niemand erlebt. Wir versuchen einfach bestmöglich damit umzugehen.“ Vermutlich wir das erste Spiel gegen Halle für alle Beteiligten – Spieler wie Verantwortliche und auch Journalist:innen – seltsam werden. „Wir müssen uns alle daran gewöhnen.“

Soweit es das Training betrifft, hat sich die Lage beim SCP ja fast noch mehr normalisiert. „Das Kleingruppen-Training mit drei oder fünf Spielern, das war anders.“ Aber seit dem ersten richtigen Mannschaftstraining am Dienstag fühlt es sich fast so an wie immer. „Nur das Drumherum ist neu.“

Dass es in den wenigen Tagen Training darum geht, die Balance zu halten, liegt auf der Hand. So hatte es Trainer Sascha Hildmann schon am Dienstag im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt. Und auf die Vorsicht des Trainerteams verlässt sich auch Max Schulze Niehues. „Die Trainer müssen die Belastung optimal steuern. Elf Spiele in etwas mehr als vier Wochen? So etwas gab es noch nicht, das habe ich noch nie erlebt.“ Aber wie sein Trainer geht auch Schulze Niehues mit einer klaren Ansage voran: „Wir haben noch einiges vor.“

Das ist der sportliche Teil. Vor dem Bruch war der SCP auf einem guten Weg. Können die Preußen den Schwung vom Jahres-Anfang irgendwie zurückholen? „Das glaube ich tatsächlich. Wir hatten uns die taktischen Dinge schon erarbeitet. Das müssen wir nur alles wieder hervorholen und festigen. Das kriegen wir relativ leicht hin.“

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Anders gesagt: Ausreden sucht beim SC Preußen niemand. Die Lage ist für alle gleichermaßen bescheiden. Ob nun die aufstiegswilligen Teams oder die Kellerkinder. Alle müssen sich irgendwie zurechtfinden. Aber aus dem Team sind keine Vorab-Ausreden zu hören. Nur Kampfansagen, wenn man so will.

Die 1:2-Niederlage in Köln, das letzte Spiel vor der Corona-Pause, hängt auch nicht mehr nach. „Das fühlt sich an, als sei es ewig her. Das ist nicht mehr sehr präsent“, glaubt Schulze Niehues. Die bittere Niederlage werde das Team gegen Halle nicht mehr beschäftigen.

Dass der Fußball, weil er spielen will, jetzt ein bisschen neben dem Alltag der meisten Menschen läuft, ist Teil der Lage. Schulze Niehues schaut aus seinem Hotelzimmer direkt auf ein Café für traditionell überteuerten Kaffee. Ob er Lust verspürt, auch mal kurz dem Hotel zu entfliehen? „Das ist menschlich. Aber es gehört eben zur Quarantäne.“ Einen Fehler wie Augsburgs neuer Trainer Heiko Herrlich will sich beim SCP niemand erlauben. Herrlich verpasste das erste Spiel mit seinem neuen Team, weil er das Quarantäne-Hotel für Zahnpasta und Handcreme verlassen hatte. Schulze Niehues lächelnd: „Ich glaube, das war ein gutes negatives Vorbild für uns alle. So sollte man es nicht machen, denn so blöd will am Ende niemand dastehen.“

Nein, beim SCP droht kein Quarantäne-Verstoß.

Am Donnerstag geht es mit dem Training weiter. Bisher haben sich die Fans auch ziemlich gut daran gehalten, nicht irgendeinen Auflauf am Gelände zu organisieren. „Die wenigen, die hinter dem Trainingsplatz herlaufen, sind wohl eher zufällige Passanten“, so der Eindruck des Preußen-Torwarts.

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