Preußen Münster gegen SV Straelen: Die 20 wildesten Minuten der Saison

Preußen Münster gegen SV Straelen: Die 20 wildesten Minuten der Saison

18. Februar 2023 3 Von Carsten Schulte

Man dachte, man hätte mit dem 5:4 in Wattenscheid alles gesehen. Aber der SC Preußen Münster zeigte am Samstag, dass auch gegen das Schlusslicht SV Straelen nichts sicher ist. Und holte das zweite 5:4 dieser Sachen. Nach einer 5:0-Führung. Nicht zu fassen.

Es fiel allen Beteiligten ein bisschen schwer, nach dem Abpfiff einzuordnen, was da gerade passiert war. Gegen das völlig abgeschlagene und hoffnungslose Schlusslicht SV Straelen führte der SCP nach 55 Minuten stabil mit 5:0. Mit 5:0. Und musste nach 90 Minuten zittern und bangen, ob es wirklich noch für einen Sieg reichen würde. Aber dann, und das ist das Seltsame nach 4 Gegentore durch den Tabellenletzten Straelen, dann durfte der SCP eigentlich richtig feiern. Denn zeitgleich verlor der Wuppertaler SV mit 2:4 gegen Mönchengladbach. Und das bedeutet: Die Preußen haben plötzlich 11 Punkte (!!) Vorsprung auf den WSV und Gladbach und zusätzlich noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Ganz ehrlich: Nach dem 7. Sieg in Folge drängt sich schon die Frage auf, wer die Preußen noch stoppen soll?

Und was soll man dann zu diesem Spiel gegen Straelen sagen? Am Sonntag will der SCP diese Partie aufarbeiten, „ganz sachlich“, wie Trainer Sascha Hildmann betonte. Da würde man gerne mal Mäuschen spielen. Aber der Reihe nach.

Von Beginn an wuchtete sich der SCP ins Spiel – vor 6.677 Zuschauern, die trotz Dauerregen und Karneval ins Stadion gekommen waren. Alexander Hahns Freistoß verfehlte das Tor noch knapp (3.), dann hatte Henok Teklab das 1:0 auf dem Fuß, aber Gästekeeper Paris klärte grandios (5.). Dann verfehlte Yassine Bouchama (9.), das alles war noch in den ersten 10 Minuten. Und weil Bouchama dann im Strafraum, ähm, fiel, gab es Elfmeter. Und Andrew Wooten verwandelte sicher zum frühen 1:0. Und die Preußen legten direkt das 2:0 nach, diesmal schob Nicolai Remberg ein (14.). Das ging alles wahnsinnig einfach, weil Straelen defensiv einfach nicht ligatauglich verteidigte.

In der Folge erspielte sich der SCP Chancen im Minutentakt, das war einfach ein Klassenunterschied. Was allerdings zu diesem Zeitpunkt ein wenig in den Hintergrund rückte: Straelen spielte mit. Die Gäste machten hinten (aus ihrer Sicht leider) nicht dich, aber kamen vorne zu Chancen. Immer wieder mal.

Auf der anderen Seite war es nur der Abschlussschwäche der Preußen zu verdanken, dass nicht viel mehr Tore für den SCP fielen, da ließ der SCP einiges liegen. Und so dauert es bis zur 34. Minute, ehe Dennis Grote aus knapp 20 Metern einfach draufhielt und das 3:0 erzielte! Sein erstes Tor, nachdem er in Gladbach einige Male dran war. Und damit waren die Kräfteverhältnisse auch schon halbwegs gut dargestellt.

Mit einigen Offensivszenen von Straelen ging es in die Pause.

Ohne Wechsel kehrte der SCP zurück. Un jubelte fast sofort: Simon Scherders weite Hereingabe köpfte Gerrit Wegkamp zum 4:0 ins Tor. Was immer Straelen für Pläne hatte – damit waren sie erledigt. Oder?

Zumal der SCP das 5:0 nach 55 Minuten nachlegte: Einmal die Kette überspielt, Wegkamp frei, schob ein zum 5. Tor für den SCP. Das ging alles ganz einfach. Und jetzt sangen hinten die Fans „einer geht noch“. Tja.

Sascha Hildman begann nach einer Stunde, die mit Gelb vorbelasteten Nicolai Remberg und Henok Teklab rauszunehmen. Marvin Benjamins und Dildar Atmaca kamen, zehn Minuten später noch Alexander Langlitz für Bouchama. Und dann begannen wilde 20 Minuten, vielleicht 20 der wildesten Minuten seit ganz, ganz langer Zeit.

Straelens Treffer durch Kenan Dünnwald in der 69. Minute wirkte zunächst wie der (zudem völlig verdiente) Ehrentreffer. Das störte niemanden richtig. Dass Ken Mata dann 4 Minuten später das 2:5 nachlegte, war dann schon etwas mehr als ein Schönheitsfehler. Matas Treffer nach 85 Minuten zeigte dann echte Wirkung. Der SCP war nun vollkommen von der Rolle. Da war keine Ruhe mehr im Spiel, das war nur noch Chaos. Offensiv ging nichts mehr, reines Durcheinander. Was war los? Erinnerungen an Wattenscheid kamen hoch.

2 Minuten Nachspielzeit zeigte der Schiedsrichter dann an, fast überraschend wenig für 5 Tore in der 2. Halbzeit. Aber in die Nachspielzeit hinein traf Niek Munsters tatsächlich zum 4:5. Und nun wurden die Pfiffe, die zuvor schon hörbar waren, richtig laut. Das war ja nicht zu fassen.

Und wer weiß, wie das ausgegangen wäre, hätte Fasihullah Habibi nicht endlich abgepfiffen. Der SCP rettete sich zu einem 5:4. Und bekam das wirklich seltsame Gefühl, nach einer Gegentorflut doch der ganz große Sieger des Spieltags zu sein. Was für eine Berg- und Talfahrt. Aber die Realität ist: 11 Punkte Vorsprung und ein Nachholspiel in der Hinterhand. Wer hätte das wirklich zu hoffen gewagt? Ein Wahnsinn in 92 Minuten, ein völlig verqueres Spektakel, über das alle die Köpfe schüttelten. Und sich dann freuten. Wahnsinn und Genie.

Spiele am 23. Spieltag
Fortuna Köln2:0 (0:0)SC Wiedenbrück
RW Oberhausen0:2 (0:0)SV Rödinghausen
Fortuna Düsseldorf II0:0 (0:0)1. FC Köln II
SC Preußen Münster5:4 (3:0)SV Straelen
Wuppertaler SV2:4 (1:0)Borussia Mönchengladbach II
RW Ahlen1:0 (1:0)Alemannia Aachen
SG Wattenscheid 091:3 (0:1)1. FC Bocholt
1. FC Kaan-Marienborn2:1 (2:0)FC Schalke 04 II
1. FC Düren1:1 (1:0)SV Lippstadt 08
23. Spieltag
MannschaftSp.ToreDiff.Punkte
1SC Preußen Münster2261:253653
2Wuppertaler SV2349:301942
3Borussia Mönchengladbach II2345:271842
41. FC Kaan-Marienborn2334:31340
5RW Oberhausen2341:34736
6Fortuna Köln2232:27536
7Alemannia Aachen2332:31136
8FC Schalke 04 II2246:281834
9SV Rödinghausen2238:231534
10SV Lippstadt 082234:37-332
11SC Wiedenbrück2231:26527
12Fortuna Düsseldorf II2336:45-927
131. FC Düren2326:42-1627
141. FC Bocholt2235:49-1426
151. FC Köln II2329:47-1824
16RW Ahlen2237:46-923
17SG Wattenscheid 092332:65-3318
18SV Straelen2318:43-259