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Tag 13: Nur zu Besuch  

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wild on wheels
(@wild-on-wheels)
Stammgast

7:50 Uhr, der Tag klopft an die Tür, hat Sonne im Gepäck, ach watt schön.

Heute Leute geht's wieder etwas ernster zu. Zwar spielt die Kapelle noch nicht "Näher mein Gott, zu Dir", aber das heißt ja nicht, dass die gute Laune hier gleich aus dem Ruder laufen muss.

Schuld an dem heutigen Text habe - und das schicke ich in vorauseilender Verteidigungsabsicht gerne vorweg - nicht ich. Schuld trägt der User Peppi. Nebenbei auch daran, dass ich mich vorgestern weggeschmissen hab und erst seit gestern Nachmittag wieder vernünftig sitze. Eine ganz feine sprachliche Klinge war das, die er da geführt hat. Eine ganz feine. Seine geniale Schreibschöpfung musste ich einfach in eine Geschichte einwickeln. Es ging nicht anders. Bitte schön.

 


 

Nur zu Besuch

Ach was ne interessante Welt. Kaum ist alles anders, lernste Leute kennen, die du sonst nie getroffen hättest.

Ich gestern unterwegs, treff‘ ich Drosti, der hat ’n Typen im Schlepptau, der ihm gerade quasi zugelaufen war. Wie ’n Hund. Bisschen still der Kerl, irgendwie komisch. Sieht fremd aus, kommt nicht von hier, eindeutig nicht. Ich guck den an, bisschen länger, man will ja wissen, mit wem man’s zu tun hat, dreh mich um, da ist Drosti schon wieder weg.

Und ich allein mit dem.

Super.

Der guckt mich an.

Ich guck zurück.

Ich lächle, schau mich um, wir sind alleine.

Ich geh zwei Schritte zurück, er hinterher.

Ich bleibe stehn, er auch.

Ich ändere die Richtung, er auch.

Ich pfeife.

Er guckt.

Ich hüpfe.

Er nicht.

Ich denke: „Tja“.

Er auch.

„Jetzt haste den an der Backe“, denke ich.

Er auch.

„Ich Robinson und Du?“

Der kommt nicht an. Der war gar nicht lustig.

Es sei letztlich auch eine Form, rassistisch motivierter Intoleranz gepaart mit einer gehörigen Portion Chauvinismus, zu meinen, alles Fremde müsse mit der Arroganz eines bürgerlich gesättigten Fettfilms auf der Suppe, die man selbst nicht auslöffeln will, kommentiert werden,

meint er.

Ich bin still.

„Ich heiße Freitag“,

sagt er.

Ich zweifle.

Ich schau ihn an.

Er schaut zurück.

Ich beobachte scharf, ob sich was regt.

Ihn was verrät.

Nichts.

Kein Augenlid zuckt

kein Nasenflügel bläht.

Nicht die kleinste Regung.

„Wirklich?“ frage ich.

Pause.

Pause.

Pause.

„O.K“., ruf ich, „War nicht lustig. Hab ich verstanden. Kann auch mal einer daneben gehen. War nicht so gemeint. Ist gut jetzt?“

Ich lache.

Etwas gekünstelt.

Er lacht nicht.

„Kara“, sagt er.

„Wie, Kara?“, hake ich nach.

„Kara. Mein Name. Wollste doch wissen.“

Der verarscht Dich hier nach Strich und Faden, denke ich

„Ben Nemsi“ rufe ich ironisch.

„N’taine“ antwortet er ruhig.

Stille.

Ich denke.

Es wird kühl.

Wir sind die letzten.

"Geh nach Hause", sagt er.

Ich gehe nach Hause.

Er hinterher.

„Mann“, sag ich, „Du nervst“.

„Tja“, sagt er, „Du auch.“

Ich beachte ihn nicht

er mich schon.

Ich versuche Distanz aufzubauen.

Er geht jedes Tempo mit.

Spielend.

Bis nach Hause.

Bis durch die Tür.

Jetzt sitzen wir hier.

Fremd wie wir sind.

Gewöhnen uns langsam.

„Wird schon werden,“ sagt er, „wird schon. Bleib auch nur zu Besuch.“

 


 

So meine Lieben, das war's schon wieder für heute. Ich hoffe, ich konnte Euch wieder ein paar Minuten der endlos scheinenden fußballlosen Zeit vertreiben. Habt Ihr Peppis Schreibschöpfung erkannt? 

Machts Euch schön.

Bleibt oder werdet gesund.

Bis morgen.

Zitat
Veröffentlicht : 26/03/2020 8:26 am
Peppi
(@peppi)
Stammgast

Gerne 😉

 

 

Schönen Tag euch allen 👍 

#preussendamals
Was? Wann? Wo?

AntwortZitat
Veröffentlicht : 26/03/2020 9:27 am
Kleini
(@kleini)
Stammgast

Genial verpackt  😆 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 26/03/2020 12:31 pm
Ex-König Harryvatter der I.
(@wacholderfueralle-de)
Stammgast

Und passend zur Wortspielerei im WDR....ihr habt euch abgesprochen?

Mexiklo, Raumänien, Flurdistan, Zimmerbabwe, Kammerun...

Wind in den Haaren, Stahl in der Hose!

AntwortZitat
Veröffentlicht : 26/03/2020 1:25 pm
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